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Drogen

Risiko Drogenkonsum

Egal ob Drogen legal oder illegal genannt werden,
ob sie Schickeria-Drogen heißen,
in der Jugendszene oder von Erwachsenen
genommen werden:
Jeder Drogenkonsum ist eine Risikoentscheidung.

In unserer Gesellschaft wird Drogenkonsum per Gesetz unterschieden in den Konsum "legaler Drogen", wie Alkohol, Nikotin, Medikamente und Lösungsmittel und den Konsum "illegaler Drogen"

Unter den Begriff "illegal" fallen alle psychoaktiven Substanzen (dies sind Substanzen, die über das zentrale Nervensystem Einfluß auf unser seelisches Empfinden nehmen), die im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) als 'nicht verkehrsfähig' eingestuft sind.

Das heißt, der Konsum dieser psychoaktiven Substanzen ist letztlich gesetzlich verboten, da deren Herstellung, Erwerb, Weitergabe und Handel strafrechtlich verfolgt werden.

Die internationalen Gesundheitsorganisationen haben mehrere Substanzklassen unterschieden, bei denen Mißbrauch auftreten kann:

1.  Alkohol
2.  Opiate (Heroin, Morphium)
3.  Cannabis (Haschisch, Marihuana)
4.  Sedativa / Hypnotika (Beruhigungs-/ Schlafmittel)
5.  Kokain
6.  andere Stimulantien (anregende Mittel, "Speed")
7.  Halluzinogene
8.  Tabak
9.  flüchtige Lösungsmittel
10. sonstige psychotrope Substanzen

Nachfolgend werden nur die sogenannten illegalen Drogen näher beschrieben.

Cannabis

Haschisch und Marihuana gelten neben Alkohol als Einstiegsdroge zu schweren Rauschgiften. Konsum: geraucht in selbstgedrehten Joints oder in Pfeifen, gebacken in Kuchen oder als Tee getrunken. Apathie, Antriebslosigkeit, Isolation, eigenwilliges Verhalten gegenüber anderen, unerwartete Rauschsymtome beim Abbau des Wirkstoffs.

Cannabis ist die unter Jugendlichen am weitesten verbreitete illegale Droge. Der Oberbegriff Cannabis sativa indica (Indischer Hanf) steht für die zwei am häufigsten vorkommenden Verbreitungsformen: Marihuana und Haschisch.
Marihuana (Gras) sind die getrockneten Blätter und Blüten der weiblichen Cannabispflanze; Haschisch ist deren gepreßtes Harz.
Beides wird in der Regel geraucht (pur oder gemischt mit Tabak) als Zigarette (Joint) und in Haschisch- oder Wasserpfeifen.

Die Rauschwirkung ist sehr unterschiedlich und abhängig von der psychischen Grundstimmung und der Erwartungshaltung des Konsumenten. In niedrigen Dosierungen wirkt Cannabis leicht euphorisierend. Besonders in Gruppen führt der Cannabiskonsum anfänglich oft zu einer Art "Lachkoller". Schon der kleinste Grund reicht aus, um in zwanghaftes Lachen auszubrechen.
Dieser Effekt hält jedoch nicht lange an. Er wird abgelöst durch eine eher ruhige Phase, in der die Konsumenten glauben, ihre Umgebung intensiver als sonst zu empfinden und wahrzunehmen.

Bei höherer Dosierung überwiegen eher dysphorische Effekte: Es kann zu Halluzinationen, seltener auch zu Angstzuständen kommen. Haschisch macht nicht körperlich abhängig, d.h. es kommt unter Abstinenz zu keinem körperlichen Entzugssyndrom.

Ecstasy

Chemische Rauschgifte aus illegalen Labors, (Disigner-Drogen).
Hauptsächlich jugendliche Konsumenten, Techno- und Rave-Partys, Diskotheken.
Rauschdauer und -intensität unkalkulierbar, kann tödlich wirken, schwerste Gesundheitsschäden.

Ecstasy (MDMA) wird als Pulver in Kapseln oder in Tablettenform gehandelt und ist eine psychoaktive Substanz mit aufputschenden und halluzinogenen Eigenschaften.
Zur aufputschenden Wirkung (die im Zusammenhang mit
Techno/Rave Partys exzessives Ausagieren im Tanz unterstützt) kommt die euphorisierende Komponente:
Etwa 10 Minuten nach der Einnahme setzt eine ungewöhnliche seelische Ausgeglichenheit ein, einhergehend mit geistiger Klarheit und erhöhter Konzentration, Plastizität der Gedanken und Bildlichkeit des inneren Erlebens. Die Exstasywirkung erzeugt ein "Insich-Hineinversinken" bei gleichzeitiger Steigerung der Kontaktfreudigkeit, Stimulierung der Gefühle, Intensivierung der Sinnesreize. Diese Wirkung wird auch
"Herzöffner-Effekt" (heart-opener) genannt.

Das Abwehrverhalten gegen unterdrückte Erinnerungen und Verdrängtes läßt nach, irrationale Gefühle und Gedanken werden leichter wahrgenommen. Hier besteht die Gefahr, das derartige Erlebnisse nicht angemessen verarbeitet werden können und zu nachhaltigen Angstzuständen und/oder wahnhaften Episoden führen.

Vergiftungseffekte: (ab ca. 100 - 200 Milligramm)

Puls- und Blutdruckanstieg, Muskelkrämpfe, Übelkeit, wiederholtes Erbrechen, Muskelschmerzen und Muskelsteifheit, Ruhelosigkeit (innere Unruhe), überstarke Halluzinationen, Angstzustände, Schlafstörungen.
Körperlich, insbesondere bei exzessivem Tanzen, droht gefährlicher Wasserverlust (Hyperhydrosis) und ein z.T. lebensbedrohlicher Körpertemperaturanstieg (Hyperpyrexie) bis 43°C.
Schlafstörungen und Übelkeit können tagelang anhalten. Die Exstasywirkung läßt bei wiederholter Einnahme sehr schnell nach (
Toleranzentwicklung), was zu einer gefährlichen Überdosierung führen kann, wenn gleich mehrere Tabletten kurz hintereinander eingenommen werden, um die Wirkung zu erreichen.

Halluzinogene

Wirkstoff von LSD ist Lysersäurediäthyamid (Bestandteil eines Roggenpilzes).
Konsum: In Flüssigkeit aufgelöst, Träger können sein Zuckerstückchen, Löschpapier, Tabletten, Pillen.
Verwirrung: Töne werden "gefühlt", Farben werden "geschmeckt".
"Horrortrips", Angst, Gleichgültigkeit, Gewalttätigkeit, Abkapselung, Weltverbesserungsideen.

Halluzinogenen wie beispielweise LSD, Mescalin, psilocybe Pilze wirken - wie es der Begriff schon sagt - hauptsächlich halluzinogen.
Unter ihrer Wirkung kommt es zu
veränderten Sinneswahrnehmungen, illusionären Verkennungen und optischen Halluzinationen; d.h. man sieht Dinge, die nicht da sind.
Die Inhalte dieser Halluzinationen sind abhängig von der Grundstimmung des Konsumenten, seiner psychischen Verfassung und der aktuellen Situation, in der er sich gerade befindet. Sie können lustig sein aber auch äußerst bedrohlich.

Das Risiko dieser Drogen:

Es können sogenannte "paranoid-halluzinatorische" Vergiftungspsychosen (Verfolgungswahn) auftreten, die mit massiven Angstzuständen einhergehen. Ein geordneter, auf Orientierung beruhender Kontakt mit der Umgebung ist dann zumeist nicht mehr möglich. Hier ist eine akute medizinische Versorgung angezeigt.

Heroin

Weißes bis braunes Pulver, das in chemischen Verfahren aus Rohopium (Schlafmohn) gewonnen wird, meist mit "Streckmitteln" versetzt.
Wird in die Venen von Ellenbogen, Händen, Beinen und Füßen gespritz; später nach Verödung dieser auch in Hals und Leiste, seltener sind Schnupfen, Rauchen, Inhalieren.
Infektionsgefahr: AIDS, Hepatitis.
Kriminalität wegen hoher Kosten (mehrere hundert Mark täglich), Ladendiebstähle, Prostitution.

Heroin ("H" sprich 'aitsch') hat eine beruhigende, euphorisierende und schmerzstillende Wirkung. Der Konsument fühlt sich vollkommen in sich ruhend und erlebt ein Gefühl tiefster Zufriedenheit ("wie in Watte eingepackt"). Schmerzempfindungen sind zudem reduziert. Große Gefahr besteht durch die atemdepressive Wirkung des Heroins, die bei Überdosierung zu Atemstillstand und Tod führen kann.

Im Entzug ("Turkey, Affe") treten genau die gegenteiligen Gefühle und körperlichen Zustände auf. Der Heroinabhängige leidet unter einem überaktiven Organismus und erlebt Schlaflosigkeit, Schwitzen ("Turkey-Geruch"), Gliederschmerzen, Durchfall, starke Licht- und Schmerzempfindlichkeit gepaart mit seelisch-dysphorischen Empfindungen.

Wegen der starken Entzugserscheinungen sind bei Herion- und Kokainabhängigen bestimmte Medikamente als Ersatzstoffe sehr beliebt. Dazu gehören codeinhaltige Hustensäfte (Codein wird im Körper zu 5-20 % in Morphium umgewandelt) und Beruhigungsmittel wie Rohypnol, Valium u.a., auch Alkohol. Auf lange Sicht führt das zu einem Drogenmischkonsum (Polytoxikomanie).

Die Behandlung Herionabhängiger geschieht zunehmend mit Ersatzdrogen wie Polamidon und Methadon, wodurch allerdings nicht die Sucht, sondern lediglich die Beschaffungs-Kriminalität verringert wird. Zur Zeit laufen Behandlungsversuche mit Polamidon, zum Teil in der Forensik, die Herionabhängigen wieder ein geregeltes Leben und Beschäftigung ermöglichen.

Kokain

Weißes kristallines Pulver, aus Blättern des Kokastrauches,
Crack = Mischung aus Kokain und Substanzen wie z.B. Backpulver.
Kokablätter werden gekaut, Pulver geschnupft oder in Venen gespritzt, Crack wird geraucht.
Abmagerung, Bewußtseinsstörungen, Verwirrungen, Verfolgungswahn, Angst, Neigung zu Verbrechen, Selbstmordgedanken, sexuelle Lust, Glücksgefühle.
Psychische Abhängigkeit, schnelle Dosissteigerung, Lungen- und Gehirnschäden.

Kokain wird gewöhnlich gesnieft, aber auch gespritzt. Es hat stark aufputschende Wirkung, unterdrückt Hungergefühle und Müdigkeit, führt zu Antriebssteigerung und euphorischen Gefühlszuständen (sexuelle Lust).

Die Konsumenten sind überwach, haben oft einen starken Rede- und Bewegungsdrang. Ihr Schlaf-Wachrythmus ist durcheinander. Das Nachlassen der Kokainwirkung wird regelmäßig von starken depressiven Verstimmungen und nervöser Gereiztheit begleitet.

Bei Überdosierungen können Halluzinationen auftreten, aber auch Krampfzustände bis hin zu Atemstillstand.

Bei chronischem Kokainkonsum kann es aufgrund der Übererregung der sensiblen Nervenbahnen zu starkem Juckreitz kommen, so daß sich Kokainkonsumenten nicht selten am Körper blutig kratzen.

Es kommt gleichfalls zu einem rapiden Gewichtsverlust, weil Kokain das Hungergefühl unterdrückt. Körperliche Zusammenbrüche durch totale Erschöpfungszustände sind dann die Folge.

Kokain gilt als Schickeria-Droge der sogenannten 'besseren Kreise', weil die Beschaffungskosten dort keine Rolle spielen und der Konsum anfangs keine sichtbaren Spuren hinterläßt.

Quelle: A.Waldschmidt: DROGEN, Nicol-Verlag im GVS, Kassel

© Gerhard Thies, Juni 1997
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