Narziss, eine Gestalt der griechischen Mythologie,
verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild. In dem Sinn, als die
Produkte unserer Arbeit symbolische Repräsentationen unseres Selbst
sind, wirken diese für egozentrisch-narzisstisch Arbeitssüchtige wie ein
Bild von sich selbst, welches sie von anderen Menschen ständig bewundert
und anerkannt sehen wollen. Ihr Verhalten kann extrem darauf
ausgerichtet sein, anerkennend Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Das Grundproblem narzisstischer Menschen ist es,
nicht wichtig genommen worden zu sein, sei es dadurch, überhaupt nicht
erwünscht gewesen zu sein, sei es durch lange Abwesenheit der Mutter,
durch wirtschaftliche Notlagen oder aber durch Ehekonflikte der Eltern
oder ähnliches.
Eine Bewältigungsform dieser Bedrohung ist es, sich
auf Phantasien eigener Größe zurückzuziehen und sich von außen, von
anderen unabhängig zu fühlen, wobei das eigene Selbst als omnipotent
fantasiert wird. Zur Erhaltung dieser Omnipotenzvorstellungen werden
aber andere Menschen benötigt. Von daher ist die Beziehung zu anderen,
zu Kollegen oder Mitarbeitern rein instrumentellen Charakters, d. h.,
diese haben Anerkennung und Bewunderung zu liefern, werden als
kritiklose Jasager benötigt.
Der narzisstische Arbeitsstil ist durch die
Überbewertung der eigenen Leistungen bei gleichzeitiger Abwertung der
Leistungen anderer geprägt. Der Arbeitsgegenstand ist für diese Menschen
sekundär, es besteht keine echte innere Bindung. Er dient lediglich als
Vehikel zur Darstellung der eigenen Größe. Von daher hastet er auch nach
Abschluss einer Aufgabe sofort zur nächsten, auf der ständigen Suche
nach „Großtaten“.
Kritik wird oft als massive Kränkung erlebt und
entsprechend überempfindlich aggressiv zurückgewiesen, wenn sie denn
überhaupt ernstgenommen wird. Da der andere eher entwertet wird,
sind echte Delegation und Absprachen kaum möglich. Im
Umgang mit der Arbeitszeit zeigen sich für den narzisstischen Menschen
keine Probleme: er steht über der Zeit.
Mit Vorliebe arbeitet er in den frühen Morgenstunden,
während der Pausen oder nachts, wenn er allein sein kann, wenn keine
anderen Menschen da sind, die ihn stören oder belästigen könnten. Bei
Terminen lässt er andere lange warten, erscheint oft überhaupt nicht und
arbeitet in der Regel weit mehr als gefordert und vielleicht nötig.
Der einsam-schizoide
Arbeitsstil: Das einsame Genie
Dem einsam-schiziod Arbeitssüchtigen ist im Verlauf
seiner Entwicklung die Hinwendung zum Du, zum anderen nicht hinreichend
gelungen. Er ist getrieben von dem Wunsch nach verschmelzender Harmonie
mit anderen bei gleichzeitiger überwertiger Angst, dann seine eigene
Identität zu verlieren.
Intimität, Emotionalität und ungezwungenes Geben und
Nehmen in einer Beziehung machen ihm Angst. Insofern kann ihm das
formalisierte und strukturierte Arbeitsleben wichtige Orientierung in
der Welt geben.
Aus der berechtigten Angst heraus, enttäuscht zu
werden, fürchtet er in der Arbeit vor allem soziale Nähe, was in
teamorganisierter Arbeit zu einem Problem werden kann. Gleichzeitig
sucht er aber oft im Arbeitsteam, der wissenschaftlichen Gemeinschaft
oder ähnlichem die Geborgenheit einer Gruppe.
Er ist ständig bemüht, emotionale Beziehungen
vorbeugend abzuwehren, sich auf das Sachliche zu konzentrieren und in
misstrauischer Wachheit seine Grenzen zu schützen.
Der Arbeitsgegenstand, so er sachlich, messbar und in
gewisser Weise objektiv ist, gibt ihm Orientierung in der Welt - eine
soziale Orientierung ist ihm bei seiner Misstrauenshaltung ja nicht
möglich.
Arbeitskollegen werden aus einer verleugneten
Kontaktunsicherheit und einer Enttäuschungsprophylaxe heraus
misstrauisch beobachtet, häufig in den sozialen Antworten gekränkt, da
ihm Empathie bei seiner gegebenen scharfen Beobachtungsgabe für soziale
Situationen und die Schwächen anderer nur kaum möglich ist.
Den Anforderungen des Arbeitsgegenstandes haben sich
alle Mitarbeiter unterzuordnen, insofern bestimmt die Sache, die
Aufgabe, den Umgang mit der Arbeitszeit, nicht aber persönliche
Präferenzen oder Interessen über die Arbeit hinaus.
Der
kontrolliert-zwanghafte Arbeitsstil: Der Buchhalter
Kontrolliert-zwanghaft Arbeitssüchtige lieben
Disziplin, Pünktlichkeit und Selbstbeherrschung. Sie unterdrücken bei
sich und anderen Spontanität und Impulsivität, aber auch neue Ideen, da
sie befürchten, diese nicht mehr unter Kontrolle haben zu können. Im
Arbeitsverhalten werden systematische Ordnung, pedantische
Reglementierung und Kontrolle überwertig hervorgehoben. Sie haben immer
Angst, dass alles sofort unsicher und chaotisch würde, wenn sie ihr
kontrollierendes Verhalten nur ein wenig lockerten.
Zwanghafte Strukturen entstehen zu der Zeit, in der
das Kind beginnt, sich die Welt motorisch-expansiv und begreifend
anzueignen.
Unordnung fürchtende Eltern reagieren mit Ärger und
werden mit Bestrafung versuchen, dieses Verhalten zu begrenzen. Wenn
aber durchaus gesunde Aggressionen, Unordnung und Schmutz sofort durch
Strafen sanktioniert werden, kommt es zu einer Blockierung des
unbekümmerten Umganges mit der Welt. Das Grundproblem zwanghafter
Menschen ist ihr überwertiges Sicherungsbedürfnis, das Vermeiden von
Risiken, Unordnung sowie die immerwährende Selbstkontrolle.
Aus der Angst vor den Folgen werden oft Veränderungen
und Wandel blockiert. Aus der Unsicherheit heraus, einen Fehler zu
machen, werden Entscheidungen hinausgezögert. Die Beziehung zu
Arbeitskollegen wird im wesentlichen durch den Machtaspekt determiniert.
Da andere Fehler machen könnten und weniger berechenbar sind, können
zwanghafte Menschen nur schlecht delegieren.
Die Delegationsunfähigkeit und die eingeschränkte
Fähigkeit, Prioritäten zu setzen, Perfektionismus, Pedanterie und die
ständigen Auseinandersetzungen um Normen, die eigentlich Machtkämpfe
sind, generieren große Probleme in teamorientierten
Arbeitszusammenhängen und im Umgang mit der Arbeitszeit. Der
kontrolliert-zwanghaft Arbeitssüchtige kann nur sehr schlecht
abschalten, da er alles allein erledigen muss, er ist bei einer
eklatanten Ineffizienz ständig im Dienst.
Der vermeidend-phobische
Arbeitsstil: Der Angsthase
Entwicklungspsychologisch entsteht die phobische
Struktur zur gleichen Zeit wie die Zwangsstruktur, aber hier sind es
nicht die strafenden sondern die ängstlichen Eltern, die ihr Kind daran
hindern, seine Fähigkeiten in Versuch und Irrtum auszuprobieren und zu
entwickeln, aus der Angst heraus, dem Kind könne etwas zustoßen.
Wenn sie gleichzeitig aus Ungeduld oder Zeitmangel
nicht die altersentsprechende Unterstützung dem Kind gaben, aber von ihm
Entwicklungsschritte erwarteten und forderten, die dem Alter des Kindes
nicht entsprechen, so übernimmt das Kind durch Identifikation die
Ängstlichkeit der Eltern und/oder deren Unzufriedenheit mit den eigenen
Entwicklungsschritten.
Phobische Menschen trauen sich meist weniger zu, als
sie tatsächlich leisten könnten.
In Gegenwart eines Menschen, z. B. eines zwanghaften
Partners, der sie kontrolliert, fühlen sie sich sicherer und haben
weniger Angst, sie arbeiten unauffällig in der Gegenwart eines solchen
Menschen, eines „steuerndes Objektes“ (vgl. König, 1993). Im Gegensatz
zum zwanghaften Menschen suchen sie jedoch eher die Teamarbeit, da ein
Team die Funktion des „steuernden Objektes“ annehmen kann, was ihnen ja
Sicherheit gibt.
Phobisch strukturierte Menschen kommen selten in
leitende Positionen, sie vermeiden oftmals unbewusst eine Beförderung,
denn als Erste hätten sie niemanden mehr über sich, den sie bei
Problemen fragen könnten.
Auch nimmt der Phobiker leichter Kooperationsangebote
von Arbeitskollegen oder Untergebenen an, er schafft sich in seinem
beruflichen Feld oftmals eine Mehrzahl „steuernder Objekte“.)
Der
wetteifernd-rivalisierende Arbeitsstil: Die Wunderkerze
Der wetteifernde, rivalisierende Arbeitssüchtige
benutzt die Arbeit als Mittel, um sich möglichst effektvoll durch die
Darstellung eigener Arbeitsergebnisse vor anderen Respekt zu
verschaffen, da er kein stabiles Identitätsgefühl hat.
Dieser Arbeitsstil basiert auf einer hysterischen
Persönlichkeitsstruktur. Sie entsteht in der ödipalen Phase der
Entwicklung, in der Zeit, in der das Kind dem Kleinkindalter entwächst.
In der Lebensgeschichte dieser Menschen zeigt sich
sehr häufig eine problematische elterliche Ehe, die das Kind in
altersunangemessener Weise etwa im Sinne eines Partnerersatzes
einbezieht, ein Milieu voller Widersprüche mit zu wenig gesunden
Orientierungsmöglichkeiten und nachahmenswerten geschlechtsspezifischen
Vorbildern.
Hieraus resultiert keine stabile Identität mit sich
selbst, insbesondere hinsichtlich der sozialen Rolle und der sexuellen
Identität. Oft finden sie aus der Identifikation mit den Vorbildern
ihrer Kindheit nicht heraus, oder aber sie übernehmen ihnen aufgedrängte
Rollen.
Bezogen auf den Umgang mit dem Arbeitsgegenstand
heißt das, dass Neues schnell begeistert, aber dann recht bald
langweilig wird, denn nach der Startphase eines Arbeitsprojektes beginnt
ja oftmals eine von Schwierigkeiten und Routine geprägte Durststrecke,
die Durchhaltevermögen und damit innere Stabilität verlangt.
Der wetteifernd-rivalisierende Mensch ist auf der
ständigen Suche nach neuen Ideen, nach Abwechslung, wobei es ihm im
wesentlichen nur um das Glänzen vor anderen geht. Demgegenüber steht bei
ihm die Unfähigkeit beharrlich in der Arbeit Schwierigkeiten zu
überwinden, das überlässt er gerne anderen. Der Umgang mit
Arbeitskollegen wird durch Konkurrenzbeziehungen geprägt. Kollegen, wenn
sie denn gleich gut oder besser sind, werden als Bedrohung erlebt.
Der wetteifernd-rivalisierende Mensch sucht
Bewunderer, die ihm das Gefühl geben, attraktiv und begehrenswert zu
sein.)
Die Bedeutung
unterschiedlicher Arbeitsstile in der Arbeitswelt
Selbstverständlich haben alle Arbeitsstile auch
konstruktive Seiten, die in unserer hochgradig arbeitsteiligen
Gesellschaft durchaus beruflichen Erfolg begünstigen:
Ohne eine gewisse narzisstische Bedürftigkeit sollte
sich niemand um ein politisches Mandat oder ein Amt bemühen, das ihn
häufig in die Öffentlichkeit bringt.
Ohne depressive Anteile könnte man wohl nicht über
längere Zeit als z.B. Psychotherapeut tätig sein.
Wissenschaftlicher Fortschritt und Entdeckungen
benötigen oftmals die innere Unabhängigkeit einsam-schizoider Forscher.
Ein vorwiegend zwanghafter Arbeitsstil wird in der
Buchhaltungsabteilung einer Bank wahrscheinlich berufliche Karrieren
begünstigen, es ist aber zu vermuten, dass in der Werbeabteilung der
gleichen Bank das Gegenteil einträte. Hier sind wohl eher Menschen
erfolgreich, die wetteifernd-rivalisierend Ideen und Konzepte entwerfen
können, die andere dann umzusetzen haben.
Jeder Arbeitsstil kann in Abhängigkeit und
Interaktion von Variablen, die im beruflichen Umfeld liegen, beruflichen
Erfolg begünstigen, bzw. arbeitssüchtig entgleisen.