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ARBEITSSUCHT?

Bei der Abgrenzung von Arbeitssucht von nicht-süchtigem Arbeitsverhalten sind die Einengung des Lebensraumes, der Verlust wichtiger sozialer und persönlicher Interessen sowie der Begriff des Kontrollverlustes von zentraler Bedeutung, d. h., das Maß an Wahlfähigkeit und Willensfreiheit im Arbeitsverhalten.
Arbeitssucht misst sich nicht daran was und wie viel der Betroffene tut, sondern daran, was er nicht tun kann. Darauf weist ausdrücklich auch Poppelreuter in seiner empirischen Studie zur Arbeitssucht hin.

Arbeitssucht ist - wie alle Süchte - ein individueller Konfliktlösungsversuch, wobei die Konflikte dem Betroffenen zumeist nicht bewusst sind. Der Süchtige versucht unangenehme Gefühle wie Depressionen, Kontaktängste, Selbstverunsicherungen, Entwurzelungsgefühle, Gefühle der Minderwertigkeit, abgewehrte Geborgenheitswünsche usw. abzuwehren.

Bei der Arbeitssucht geht es um das „Machen“, um Kontrolle und Willkür, um Dranghaftigkeit und Wut. Der Arbeitssüchtige erlebt sich unter dem ständigen Zwang des „Ich muss!“ Wer das größte Geschäft macht, der bekommt den größten Applaus.

So unterscheidet Poppelreuter in seiner explorativen Studie drei Typen von Arbeitssüchtigen: Den entscheidungsunsicheren Arbeitssüchtigen, den überfordert-unflexiblen Arbeitssüchtigen sowie den verbissenen Arbeitssüchtigen, deren Beschreibung unschwer erkennen lässt, dass es sich um Verhaltensmuster aus dem zwanghaft-analen Formenkreis handelt (vgl. Poppelreuter, 1997).

Trotz der hier skizzierten Gemeinsamkeiten gibt es keinen typischen Arbeitssüchtigen, denn sehr unterschiedliche ungelöste und unbewusste Konflikte können in der süchtigen Arbeit Ausdrucksmöglichkeiten für eine scheinbare Konfliktlösung finden:

Diagnostisch ist Arbeitssucht nur aus der Lebensgeschichte des Betroffenen abzuleiten.

Bei der Abgrenzung von Arbeitssucht von nicht-süchtigem Arbeitsverhalten sind die Einengung des Lebensraumes, der Verlust wichtiger sozialer und persönlicher Interessen sowie der Begriff des Kontrollverlustes von zentraler Bedeutung, d. h., das Maß an Wahlfähigkeit und Willensfreiheit im Arbeitsverhalten.

Arbeitssucht misst sich nicht daran was und wie viel der Betroffene tut, sondern daran, was er nicht tun kann.

Arbeitssucht ist - wie alle Süchte - ein individueller Konfliktlösungsversuch, wobei die Konflikte dem Betroffenen zumeist nicht bewusst sind. Der Süchtige versucht unangenehme Gefühle wie Depressionen, Kontaktängste, Selbstverunsicherungen, Entwurzelungsgefühle, Gefühle der Minderwertigkeit, abgewehrte Geborgenheitswünsche usw. abzuwehren.

In der diagnostischen Situation ist in einem ersten Schritt zu klären, ob das arbeitssüchtige Verhalten als Konfliktlösungsversuch im Dienst der Befriedigung aggressiver Impulse, oraler oder sexueller Wünsche oder aber sozialer Sehnsüchte steht,

oder im Dienst der Abwehr unerwünschter bzw. bedrohlicher Gefühle und Gedanken,

oder aber im Dienst der Kompensation realer oder fantasierter Minderwertigkeiten, Defizite oder Mängel (vgl. Pongratz, 1986).

Der egozentrisch-narzisstische Arbeitsstil: Der Grandiose

Narziss, eine Gestalt der griechischen Mythologie, verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild. In dem Sinn, als die Produkte unserer Arbeit symbolische Repräsentationen unseres Selbst sind, wirken diese für egozentrisch-narzisstisch Arbeitssüchtige wie ein Bild von sich selbst, welches sie von anderen Menschen ständig bewundert und anerkannt sehen wollen. Ihr Verhalten kann extrem darauf ausgerichtet sein, anerkennend Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Das Grundproblem narzisstischer Menschen ist es, nicht wichtig genommen worden zu sein, sei es dadurch, überhaupt nicht erwünscht gewesen zu sein, sei es durch lange Abwesenheit der Mutter, durch wirtschaftliche Notlagen oder aber durch Ehekonflikte der Eltern oder ähnliches.

Eine Bewältigungsform dieser Bedrohung ist es, sich auf Phantasien eigener Größe zurückzuziehen und sich von außen, von anderen unabhängig zu fühlen, wobei das eigene Selbst als omnipotent fantasiert wird. Zur Erhaltung dieser Omnipotenzvorstellungen werden aber andere Menschen benötigt. Von daher ist die Beziehung zu anderen, zu Kollegen oder Mitarbeitern rein instrumentellen Charakters, d. h., diese haben Anerkennung und Bewunderung zu liefern, werden als kritiklose Jasager benötigt.

Der narzisstische Arbeitsstil ist durch die Überbewertung der eigenen Leistungen bei gleichzeitiger Abwertung der Leistungen anderer geprägt. Der Arbeitsgegenstand ist für diese Menschen sekundär, es besteht keine echte innere Bindung. Er dient lediglich als Vehikel zur Darstellung der eigenen Größe. Von daher hastet er auch nach Abschluss einer Aufgabe sofort zur nächsten, auf der ständigen Suche nach „Großtaten“.

Kritik wird oft als massive Kränkung erlebt und entsprechend überempfindlich aggressiv zurückgewiesen, wenn sie denn überhaupt ernstgenommen wird. Da der andere eher entwertet wird,

sind echte Delegation und Absprachen kaum möglich. Im Umgang mit der Arbeitszeit zeigen sich für den narzisstischen Menschen keine Probleme: er steht über der Zeit.

Mit Vorliebe arbeitet er in den frühen Morgenstunden, während der Pausen oder nachts, wenn er allein sein kann, wenn keine anderen Menschen da sind, die ihn stören oder belästigen könnten. Bei Terminen lässt er andere lange warten, erscheint oft überhaupt nicht und arbeitet in der Regel weit mehr als gefordert und vielleicht nötig.

Der einsam-schizoide Arbeitsstil: Das einsame Genie

Dem einsam-schiziod Arbeitssüchtigen ist im Verlauf seiner Entwicklung die Hinwendung zum Du, zum anderen nicht hinreichend gelungen. Er ist getrieben von dem Wunsch nach verschmelzender Harmonie mit anderen bei gleichzeitiger überwertiger Angst, dann seine eigene Identität zu verlieren.

Intimität, Emotionalität und ungezwungenes Geben und Nehmen in einer Beziehung machen ihm Angst. Insofern kann ihm das formalisierte und strukturierte Arbeitsleben wichtige Orientierung in der Welt geben.

Aus der berechtigten Angst heraus, enttäuscht zu werden, fürchtet er in der Arbeit vor allem soziale Nähe, was in teamorganisierter Arbeit zu einem Problem werden kann. Gleichzeitig sucht er aber oft im Arbeitsteam, der wissenschaftlichen Gemeinschaft oder ähnlichem die Geborgenheit einer Gruppe.

Er ist ständig bemüht, emotionale Beziehungen vorbeugend abzuwehren, sich auf das Sachliche zu konzentrieren und in misstrauischer Wachheit seine Grenzen zu schützen.

Der Arbeitsgegenstand, so er sachlich, messbar und in gewisser Weise objektiv ist, gibt ihm Orientierung in der Welt - eine soziale Orientierung ist ihm bei seiner Misstrauenshaltung ja nicht möglich.

Arbeitskollegen werden aus einer verleugneten Kontaktunsicherheit und einer Enttäuschungsprophylaxe heraus misstrauisch beobachtet, häufig in den sozialen Antworten gekränkt, da ihm Empathie bei seiner gegebenen scharfen Beobachtungsgabe für soziale Situationen und die Schwächen anderer nur kaum möglich ist.

Den Anforderungen des Arbeitsgegenstandes haben sich alle Mitarbeiter unterzuordnen, insofern bestimmt die Sache, die Aufgabe, den Umgang mit der Arbeitszeit, nicht aber persönliche Präferenzen oder Interessen über die Arbeit hinaus.

Der kontrolliert-zwanghafte Arbeitsstil: Der Buchhalter

Kontrolliert-zwanghaft Arbeitssüchtige lieben Disziplin, Pünktlichkeit und Selbstbeherrschung. Sie unterdrücken bei sich und anderen Spontanität und Impulsivität, aber auch neue Ideen, da sie befürchten, diese nicht mehr unter Kontrolle haben zu können. Im Arbeitsverhalten werden systematische Ordnung, pedantische Reglementierung und Kontrolle überwertig hervorgehoben. Sie haben immer Angst, dass alles sofort unsicher und chaotisch würde, wenn sie ihr kontrollierendes Verhalten nur ein wenig lockerten.

Zwanghafte Strukturen entstehen zu der Zeit, in der das Kind beginnt, sich die Welt motorisch-expansiv und begreifend anzueignen.

Unordnung fürchtende Eltern reagieren mit Ärger und werden mit Bestrafung versuchen, dieses Verhalten zu begrenzen. Wenn aber durchaus gesunde Aggressionen, Unordnung und Schmutz sofort durch Strafen sanktioniert werden, kommt es zu einer Blockierung des unbekümmerten Umganges mit der Welt. Das Grundproblem zwanghafter Menschen ist ihr überwertiges Sicherungsbedürfnis, das Vermeiden von Risiken, Unordnung sowie die immerwährende Selbstkontrolle.

Aus der Angst vor den Folgen werden oft Veränderungen und Wandel blockiert. Aus der Unsicherheit heraus, einen Fehler zu machen, werden Entscheidungen hinausgezögert. Die Beziehung zu Arbeitskollegen wird im wesentlichen durch den Machtaspekt determiniert. Da andere Fehler machen könnten und weniger berechenbar sind, können zwanghafte Menschen nur schlecht delegieren.

Die Delegationsunfähigkeit und die eingeschränkte Fähigkeit, Prioritäten zu setzen, Perfektionismus, Pedanterie und die ständigen Auseinandersetzungen um Normen, die eigentlich Machtkämpfe sind, generieren große Probleme in teamorientierten Arbeitszusammenhängen und im Umgang mit der Arbeitszeit. Der kontrolliert-zwanghaft Arbeitssüchtige kann nur sehr schlecht abschalten, da er alles allein erledigen muss, er ist bei einer eklatanten Ineffizienz ständig im Dienst.

Der vermeidend-phobische Arbeitsstil: Der Angsthase

Entwicklungspsychologisch entsteht die phobische Struktur zur gleichen Zeit wie die Zwangsstruktur, aber hier sind es nicht die strafenden sondern die ängstlichen Eltern, die ihr Kind daran hindern, seine Fähigkeiten in Versuch und Irrtum auszuprobieren und zu entwickeln, aus der Angst heraus, dem Kind könne etwas zustoßen.

Wenn sie gleichzeitig aus Ungeduld oder Zeitmangel nicht die altersentsprechende Unterstützung dem Kind gaben, aber von ihm Entwicklungsschritte erwarteten und forderten, die dem Alter des Kindes nicht entsprechen, so übernimmt das Kind durch Identifikation die Ängstlichkeit der Eltern und/oder deren Unzufriedenheit mit den eigenen Entwicklungsschritten.

Phobische Menschen trauen sich meist weniger zu, als sie tatsächlich leisten könnten.

In Gegenwart eines Menschen, z. B. eines zwanghaften Partners, der sie kontrolliert, fühlen sie sich sicherer und haben weniger Angst, sie arbeiten unauffällig in der Gegenwart eines solchen Menschen, eines „steuerndes Objektes“ (vgl. König, 1993). Im Gegensatz zum zwanghaften Menschen suchen sie jedoch eher die Teamarbeit, da ein Team die Funktion des „steuernden Objektes“ annehmen kann, was ihnen ja Sicherheit gibt.

Phobisch strukturierte Menschen kommen selten in leitende Positionen, sie vermeiden oftmals unbewusst eine Beförderung, denn als Erste hätten sie niemanden mehr über sich, den sie bei Problemen fragen könnten.

Auch nimmt der Phobiker leichter Kooperationsangebote von Arbeitskollegen oder Untergebenen an, er schafft sich in seinem beruflichen Feld oftmals eine Mehrzahl „steuernder Objekte“.)

Der wetteifernd-rivalisierende Arbeitsstil: Die Wunderkerze

Der wetteifernde, rivalisierende Arbeitssüchtige benutzt die Arbeit als Mittel, um sich möglichst effektvoll durch die Darstellung eigener Arbeitsergebnisse vor anderen Respekt zu verschaffen, da er kein stabiles Identitätsgefühl hat.

Dieser Arbeitsstil basiert auf einer hysterischen Persönlichkeitsstruktur. Sie entsteht in der ödipalen Phase der Entwicklung, in der Zeit, in der das Kind dem Kleinkindalter entwächst.

In der Lebensgeschichte dieser Menschen zeigt sich sehr häufig eine problematische elterliche Ehe, die das Kind in altersunangemessener Weise etwa im Sinne eines Partnerersatzes einbezieht, ein Milieu voller Widersprüche mit zu wenig gesunden Orientierungsmöglichkeiten und nachahmenswerten geschlechtsspezifischen Vorbildern.

Hieraus resultiert keine stabile Identität mit sich selbst, insbesondere hinsichtlich der sozialen Rolle und der sexuellen Identität. Oft finden sie aus der Identifikation mit den Vorbildern ihrer Kindheit nicht heraus, oder aber sie übernehmen ihnen aufgedrängte Rollen.

Bezogen auf den Umgang mit dem Arbeitsgegenstand heißt das, dass Neues schnell begeistert, aber dann recht bald langweilig wird, denn nach der Startphase eines Arbeitsprojektes beginnt ja oftmals eine von Schwierigkeiten und Routine geprägte Durststrecke, die Durchhaltevermögen und damit innere Stabilität verlangt.

Der wetteifernd-rivalisierende Mensch ist auf der ständigen Suche nach neuen Ideen, nach Abwechslung, wobei es ihm im wesentlichen nur um das Glänzen vor anderen geht. Demgegenüber steht bei ihm die Unfähigkeit beharrlich in der Arbeit Schwierigkeiten zu überwinden, das überlässt er gerne anderen. Der Umgang mit Arbeitskollegen wird durch Konkurrenzbeziehungen geprägt. Kollegen, wenn sie denn gleich gut oder besser sind, werden als Bedrohung erlebt.

Der wetteifernd-rivalisierende Mensch sucht Bewunderer, die ihm das Gefühl geben, attraktiv und begehrenswert zu sein.)

Die Bedeutung unterschiedlicher Arbeitsstile in der Arbeitswelt

Selbstverständlich haben alle Arbeitsstile auch konstruktive Seiten, die in unserer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft durchaus beruflichen Erfolg begünstigen:

Ohne eine gewisse narzisstische Bedürftigkeit sollte sich niemand um ein politisches Mandat oder ein Amt bemühen, das ihn häufig in die Öffentlichkeit bringt.

Ohne depressive Anteile könnte man wohl nicht über längere Zeit als z.B. Psychotherapeut tätig sein.

Wissenschaftlicher Fortschritt und Entdeckungen benötigen oftmals die innere Unabhängigkeit einsam-schizoider Forscher.

Ein vorwiegend zwanghafter Arbeitsstil wird in der Buchhaltungsabteilung einer Bank wahrscheinlich berufliche Karrieren begünstigen, es ist aber zu vermuten, dass in der Werbeabteilung der gleichen Bank das Gegenteil einträte. Hier sind wohl eher Menschen erfolgreich, die wetteifernd-rivalisierend Ideen und Konzepte entwerfen können, die andere dann umzusetzen haben.

Jeder Arbeitsstil kann in Abhängigkeit und Interaktion von Variablen, die im beruflichen Umfeld liegen, beruflichen Erfolg begünstigen, bzw. arbeitssüchtig entgleisen.

Peter beschreibt in  Das Peter-Prinzip  die Pathologie des Erfolges, das Scheitern am Erfolg (vgl. Peter, 1969):

Der oben erwähnte Buchhalter in einer Bank mag durch eine rigide einengend-strenge Kindheit eine vorwiegend zwanghaft strukturierte Persönlichkeit entwickelt haben und wird aufgrund seiner Genauigkeit und Verlässlichkeit im Beruf zum Abteilungsleiter befördert, wo nun der größte Teil seiner Aufgabenanforderungen im Bereich der Führung und Motivation von Mitarbeitern liegt. Es werden von ihm nun also Leistungen erwartet, die ihn bei seinen persönlichkeitsbedingten Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Kontrolle abzugeben, zu delegieren und Prioritäten zu setzen emotional chronisch überfordern. Weil er kaum andere Verhaltensmöglichkeiten zur Verfügung hat, wird er wahrscheinlich zwanghaft versuchen, diese für ihn neue und bedrohliche Situation nach dem Motto Mehr vom Gleichen zu bewältigen. Vielleicht wird er seinen Arbeitszeitaufwand deutlich erhöhen, um doch noch die Kontrolle über das Zahlenwerk und seine Untergebenen zu behalten, ein zwanghaft arbeitssüchtiges Verhalten wäre die Folge. Vielleicht wird er in der Folge seelische Symptome wie Zwänge, Angstzustände oder aber auch körperliche Beschwerden wie Verspannungszustände, Migräne, Esssucht usw. entwickeln und erkranken.

Konfliktorientierung als erstes therapeutisches Grundkonzept

Arbeitssucht ist nur zu verstehen, wenn man sich Klarheit darüber verschafft, welche ungelösten Grundkonflikte das Arbeitsverhalten determinieren.

Ziel dieses psychoanalytisch geleiteten Vorgehens ist es, konfliktorientiert mit den Betroffenen ein Psychogeneseverständnis zu erarbeiten, ihnen deutlich und erfahrbar zu machen, welche unbewussten Motive aktuelle Arbeitskonflikte mitbestimmen oder aber bei der Berufswahl als Eingangsmotivation eine Rolle spielten.

Die Berufstätigkeit bietet ja die Möglichkeit, kompensatorisch im Sinne einer Selbstkorrektur das anzustreben, was man sein möchte, bewusste und unbewusste Bedürfnisse auszuleben oder aber bestimmte Belastungen zu vermeiden.

Neben den in der Person liegenden Variablen sind in einem zweiten Schritt die Auftrags- und Erfüllungsbedingungen der jeweiligen Tätigkeit sowie die Arbeitsbedingungen zu untersuchen, denn es macht einen großen Unterschied, ob man selbständig arbeitet oder aber in einem Kleinbetrieb oder aber in einem Großbetrieb angestellt ist. Auch die Tätigkeit als Angestellter im Öffentlichen Dienst oder aber als Beamter bestimmt in charakteristischer Weise die Arbeitsrealität. Leitende, dispositive Tätigkeiten sind von exekutiven Aufgabenanforderungen abzugrenzen.

Es macht für das Arbeitserleben auch einen großen Unterschied, ob man mit hohen Idealvorstellungen, die weit über das Geldverdienen hinausgehen, eine Arbeit in einem Tendenzbetrieb wie einer Gewerkschaft, einer Kirche oder ähnlichem aufgenommen hat und im Verlauf der beruflichen Karriere die Diskrepanz zwischen veröffentlichten Arbeitszielen und der erfahrenen Arbeitsrealität verarbeiten muss.

Lösungsorientierung als zweites therapeutisches Grundkonzept

In einer gemeinsam mit dem Betroffenen erarbeiteten Tätigkeitsanalyse geht es um die differenzierte Darstellung der quantitativen und qualitativen Aufgabenanforderungen, der physischen Anforderungen, der unterschiedlichen posititionsabhängigen Rollenanforderungen und den daraus resultierenden zwischenmenschlichen Anforderungen.

Dieses Anforderungsprofil ist dann mit dem tatsächlichen Arbeitsverhalten zu konfrontieren, wobei wegen der deutlichen Tendenz zur Verleugnung auf der Abwehrseite Arbeitssüchtiger fremdanamnestisch erhobene Informationen - z. B. im Rahmen eines Ehepaargesprächs - sehr hilfreich sein können.

Ziel dieses lösungsorientierten Vorgehens ist die Neustrukturierung von Copingmechanismen im Umgang mit den externen beruflichen Anforderungen, aber auch dem eigenen Anspruchsniveau.

Weiter geht es um die Erschließung von Befriedigungsquellen außerhalb der beruflichen Sphäre auf Grundlage der Ressourcen des Betroffenen in seiner beruflichen und sozialen Realität.

Konkret geht es um die Vermittlung grundlegender Informationen und Techniken zur Zeitplanung und Arbeitsorganisation (vgl. Seiwert, 1987), um das Erlernen von Entspannungstechniken wie das Autogene Training oder die progressive Muskelentspannung, das Einüben regelmäßiger, nicht leistungsorientierter sportlicher Betätigung als physischem Ventil zur Spannungsreduktion sowie die gemeinsame Suche nach arbeitsfreien Inseln als Befriedigungsquellen im Sinne eines Genusstrainings. (BED)

Bei arbeitssüchtigen Patienten muss eigentlich immer davon ausgegangen werden, dass der Leidensdruck erst zu einem relativ späten Stadium auftritt, da der Krankheitsgewinn oft sehr hoch ist, was die Abwehr, die Verleugnung des süchtigen Verhaltens, erheblich stabilisiert. Ehepaargespräche oder aber Familiengespräche haben sich vor diesem Hintergrund als sehr hilfreich erwiesen, zum einen zur fremdanamnestischen Absicherung der Diagnose, zur Einsichtsbildung beim Patienten aber auch zur Planung von Veränderungsstrategien.

Zum anderen geht es in der Einzeltherapie darum, lösungsorientiert das Arbeitsverhalten im Sinne einer verhaltenstherapeutischen Problem- bzw. Tätigkeitsanalyse zu klarifizieren. Informationen und Übungen zu Zeitplanungs- und Arbeitstechniken, die Hinterfragung subjektiver Mythen zur Rechtfertigung des süchtigen Arbeitsverhaltens mit dem Ziel einer Einstellungsveränderung bilden hierbei die Schwerpunkte.

Die psychotherapeutische Behandlung der Arbeitssucht muss von daher komplex und mehrschichtig angelegt sein, wobei die relative Unschärfe des Begriffes Arbeitssucht immer eine individuelle Definition der zwischen Betroffenem und Therapeut vereinbarten Therapieziele erfordert.

Allgemein lässt sich für die stationäre Psychotherapie von Arbeitssucht jedoch sagen, dass es in einem ersten Schritt darum gehen sollte, dem Patienten das unbewusste Bedingungsgefüge, das sein Arbeitsverhalten steuert, zu verdeutlichen, also zusammen mit ihm ein Psychogeneseverständnis zu erarbeiten.

Erst wenn der Betroffene in Grundzügen verstanden und im Rahmen des stationären Settings erfahren hat, warum er sich im Arbeitsbereich süchtig verhält macht es Sinn, sich um konkrete Veränderungsschritte zu bemühen, denn das süchtige Verhalten ist ja eine Bewältigungsstrategie zur Lösung eines zumeist unbewussten Konfliktes.

Konflikt- und lösungsorientierte stationäre Psychotherapie von Arbeitssucht heißt, dass konfliktorientiert an und in der therapeutischen Beziehung psychoanalytisch mit den Konzepten Übertragung sowie Krankheit als Kompromissbildung ungelöster unbewusster Konflikte gearbeitet wird.

Zusätzlich knüpft sie lösungsorientiert an die Ressourcen des Patienten an, an seine gesunden Persönlichkeitsanteile und fördert verhaltenstherapeutisch ihre weitere Entwicklung hinsichtlich kognitiver Umstrukturierung und Erweiterung von Verhaltenskompetenz insbesondere hinsichtlich des Arbeits- und Freizeitverhaltens.

Mit dem Ende der stationären psychotherapeutischen Behandlung, sie dauert in der Regel sechs bis acht Wochen, stellt sich die Frage des Transfers der gewonnenen Erfahrungen und Einsichten in den Alltagsraum des Patienten.

Vielfach wird es darum gehen, den Patienten für eine ambulante Therapie am Heimatort zu motivieren, was aus unserer Erfahrung die Prognose für einen nachhaltigen Erfolg der stationären Behandlung deutlich erhöht. Auch geplante, feste und zeitlich weiter auseinanderliegende katamnestische Sitzungen sind für die Prognose günstig.

Insgesamt ist bei der Therapie von Arbeitssucht zu berücksichtigen, dass die Therapieziele bei der gegebenen hohen Leistungsbereitschaft der Patienten nicht zu hoch gesteckt werden, der Patient ist auf die hohe Wahrscheinlichkeit von Rückfällen vorzubereiten, auf einen zeitlich länger anzusetzenden Veränderungsprozess.

 

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